O. (18)

O. mailt mich mittels sehr unmissverständlicher Wortwahl auf einer Plattform an, auf der ich eigentlich eindeutige erotische Avancen nicht erwarte. Halb verärgert, halb amüsiert gebe ich ihm ordentlich Konter, und daraus entspinnt sich dann doch eine nicht unlustige Unterhaltung. Wenig später treffen wir einander zu einem längeren Spaziergang, während dessen Dauer ich genug Zeit habe, mir ein Bild zu machen. Genug Zeit deshalb, weil auch er fast ausschließlich über sich selber redet: Seinen Job, seine Erfolge, seinen Besitz, und – neu im Programm – auch über seine karitative Ader.

Schnell klingt für mich durch, dass er mit selbstbewussten Frauen überfordert ist, denn er mäkelt an jeder Frau herum, von der er mir erzählt. Seine Beanstandungen gelten allerdings nicht dem äußeren Erscheinungsbild (das wagt er dann doch nicht), sondern den Freiheiten, die sich viele Frauen heute nehmen, und das vor allem in sexueller Hinsicht. Seiner Ansicht nach haken solche Frauen innere To-Do-Listen ab, die ihnen von diversen gesellschaftlichen Trends oktroyiert werden. Er selber gibt sich – verbal zumindest – sexuell aufgeschlossen und als Mann, der in sich ruht, doch seine Ausstrahlung wirkt gänzlich anders auf mich. Ich habe den Eindruck, auch hinter dieser Fassade steckt ein sehr unsicherer Mann, der versucht, sich an und mit einer starken Frau – nämlich mir – zu messen. Dass das nicht funktionieren kann, merkt er wenig später auch selber.

Zu meinem Erstaunen – denn ich habe ihn in keiner Weise ermutigt – schreibt er mich am nächsten Tag wieder an, diesmal mit einer absolut klaren Forderung nach Verbalerotik. Darauf lasse ich mich grundsätzlich nur unter sehr speziellen Rahmenbedingungen ein, und von denen kann hier überhaupt keine Rede sein. Ich fühle mich einerseits überrumpelt, andererseits auch von seiner mangelnden Menschenkenntnis und seinem fehlenden Einfühlungsvermögen enorm abgestoßen, weshalb ich ihm höflich, aber bestimmt zu verstehen gebe, dass ich daran momentan kein Interesse habe. Seine Reaktion ist mir mittlerweile nicht mehr neu: Er wirft mir Verklemmtheit vor. Eigentlich fast schon ein Kompliment aus dem Munde eines Menschen, der von subtiler Erotik so viel Ahnung hat wie eine Kuh vom Eierlegen.

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D. (17)

Eines Tages schreibt mich ein Mann aus Deutschland an: Er sei demnächst in Österreich und würde mich gern persönlich kennenlernen. Sein Profil sieht gut aus, insofern spricht nichts dagegen. Es entspinnt sich ein wirklich intensiver Mailverkehr (D. schreibt sehr, sehr schön!), und auch das Treffen findet wenig später statt. Tatsache ist leider, dass sein Selbstwertgefühl beinahe augenblicklich die Grenze der Wahrnehmbarkeit unterschreitet, als wir einander gegenüberstehen, denn offensichtlich hat er nicht erwartet, jemanden vorzufinden, der den Angaben im Profil entspricht (manche seiner Angaben stellen sich nämlich als zumindest nicht ganz richtig heraus). Mit meinem Temperament ist er ebenfalls überfordert, aber das ist in diesem Moment auch schon egal.

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G. (16)

(Anmerkung der Redaktion: Ich kann nix für die vielen G. !!!)

Dieser G. gehört zu den wenigen Männern, die ich aus Eigeninitiative anschreibe. Sein Profil ist nicht sehr ausführlich, das, was er darin schreibt, gefällt mir aber, und auch er zeigt sich interessiert. Ein erstes Treffen kommt relativ schnell zustande. G. wirkt sympathisch und ist durchaus auch attraktiv, verhält sich aber sehr zurückhaltend. Wir treffen einander noch zwei oder drei Mal, doch bei diesen Treffen stelle ich leider nach und nach fest, dass das, was zunächst nach Zurückhaltung aussieht, in Wirklichkeit aus Unsicherheit und Schüchternheit resultiert. Nein, wenn es darauf ankommt, hat er keine Chance gegen mich, und insofern gebietet mir schon allein meine soziale Ader, nicht jemanden an mich zu binden, der mir nicht gewachsen ist. Mein Selbstwertgefühl braucht keine Bestätigung auf Kosten anderer Menschen, soviel steht fest.

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G. (15)

G. ist ungefähr in meinem Alter. Er sieht ansprechend aus, wirkt intelligent und hat eine Art von Humor, die ich sehr schätze. Seine Selfies schauen ehrlich und gut aus, seine Komplimente, die er mir macht, haben Stil und klingen glaubwürdig. Als er mir jedoch schon nach wenigen Mails Bilder von seinem Zweitwohnsitz im Salzburger Land mit davor geparktem Sportwagen in den Posteingang wirft, werde ich richtig giftig und frage ihn, warum er glaubt, mir mit diesem Schmarrn imponieren zu müssen. Natürlich schieße ich auch noch nach, dass ich mehr als einmal gesehen habe, dass materieller Besitz Schall und Rauch ist, wenn es um echte menschliche Probleme geht, woraufhin er einlenkt und meint, er sei halt stolz auf sein Refugium. Nun gut.

Unsere unverfänglichen und bestenfalls erotisch angehauchten Mails ziehen sich über ein paar Wochen hin, immer mit dem Tenor, er würde in absehbarer Zeit nach Graz kommen, weil er mich persönlich kennenlernen wolle. Irgendwann wirds mir zu dumm und ich fordere ihn verbal in einer Form heraus, bei der er klar Stellung beziehen muss – und er ist naiv genug, sich in die Ecke drängen zu lassen und mir ein Angebot für ein Treffen zu machen, das Lichtjahre unter meinem Niveau liegt. Das sage ich ihm dann auch, woraufhin er meint, wenn ich „Niveau“ in diesem Kontext erwähne, sei die Sache für ihn gelaufen. Nun ja, nach dieser seiner Reaktion ist das Thema für mich allerdings auch erledigt, denn Maulheldentum finde ich – wie bereits erwähnt – hochgradig uninteressant.

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J. (14)

Auch der um ein paar Jahre jüngere J. hat mich schon früher angeschrieben, sodass wir seit einer Weile in losem Kontakt stehen; er ist beruflich viel in Österreich unterwegs, und eines Tages bringen wir es tatsächlich fertig, uns in Graz zu treffen. Vom Schreiben und Telefonieren her macht J. einen selbstsicheren Eindruck; beruflich ist er mit Sicherheit tough und auch dementsprechend erfolgreich, was mich dann doch recht neugierig auf den Menschen dahinter macht. Er meldet sich telefonisch bei mir, nachdem seine beruflichen Termine für diesen Tag beendet sind, weil wir vereinbart haben, dann kurzfristig zu besprechen, wo wir einander treffen. Da er mit dem Pkw unterwegs ist, schlage ich das Kunsthaus vor – die Garage ist leicht erreichbar, der Treffpunkt zentral.

Eine erste Irritation stellt sich ein, als er mich nach der Adresse vom Kunsthaus fragt. Er sagt selber, er ist öfter in Graz, kennt auch die Innenstadt ein bissl – und ist dann nicht einmal in der Lage, die Adresse selber zu googeln? Nun gut, ich übernehme das für ihn.

Das Treffen selber verläuft mich für amüsant, aber auf eine eher spezielle Art, denn er erfüllt mit jedem Wort ein Klischee, das für die Bewohner jener Gegend, in der er seit seiner Geburt lebt, charakteristisch ist. „Großkopfert“ – falls jemand weiß, was das bedeutet. Er spricht eigentlich nur über seinen Beruf, seine Besitztümer und seine ebenso erfolgreichen und begüterten Freunde; seinen Monolog lockert er zwischendurch mit Bemerkungen auf, die schon zu meiner Teenagerzeit nicht mehr witzig waren, aber diesen Seitenhieb erspare ich ihm dann doch aus reiner Höflichkeit. Über seine Gedanken in privater Hinsicht spricht er nicht, und ich bin recht bald nicht mehr bereit, über meine zu sprechen, weil ich ohnehin nicht wirklich zu Wort komme.

Zwei oder drei Wochen später schlägt er eine weitere Verabredung hier in Graz vor. Mich reitet der Teufel: Ich sage zu. Woraufhin keinerlei Rückmeldung mehr von ihm kommt, sodass ich 12 Stunden später meine Zusage in aller Form unter Angabe meiner Gründe dafür zurückziehe. Es bleibt bei der Funkstille, und ich hake innerlich einmal mehr einen Mann ab, der nicht mehr als ein armseliger Maulheld ist.

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B. (13) und E. (11, repeat)

B. ist jemand, der mich als einer der ersten Männer auf dem Datingportal angemailt hat. Ich hatte von Anfang an den Eindruck, wir würden nicht sonderlich gut zusammenpassen, weil sein und mein Profil sehr deutliche Unterschiede aufweisen, und hatte ihm das auch mehrmals zu verstehen gegeben. Trotzdem blieb er hartnäckig, und irgendwann hatten wir dann auch ein Treffen verabredet. B. entspricht in keiner Weise meinem Beuteschema, dennoch wirkt er auf mich sympathisch. Wir treffen einander mehrmals; schnell stellt sich eine gewisse Vertrautheit ein, auch, weil wir in vielen Gewohnheiten und Ansichten einander sehr ähnlich sind.

Wir telefonieren relativ häufig miteinander, sehen einander auch regelmäßig, fühlen uns in der Gegenwart des anderen wohl – aber der Zündfunke fehlt im Endeffekt, sodass es bei einem unverbindlichen Kontakt bleiben wird.

**********

Ein paar Wochen später meldet sich E. wieder bei mir. Er bittet mich um Entschuldigung und klärt den Sachverhalt halbwegs auf, sodass ich mich erneut mit ihm verabrede. Die Anziehung ist nach wie vor da, jedoch haben mein Kopf und vor allem mein Herz die Enttäuschung abgespeichert und weigern sich strikt, den abgesicherten Modus zu verlassen. Wir sehen einander noch zwei oder drei Mal, aber ich bin zu vorsichtig, um mich noch einmal von ihm verletzen zu lassen; abgesehen davon lässt mich das Gefühl nicht los, dass es da etwas gibt, worüber er eigentlich sprechen möchte, aber den Mut dazu nicht findet. Im Endeffekt lassen wir beide in stillem Einverständnis unseren Kontakt einschlafen.

Manchmal denk i no an di…

 

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V. (12)

Der Kontakt zwischen V. und mir besteht schon länger und findet in eher losen Abständen per Mail statt. Er lebt in einem anderen Bundesland und hat keine sonderlich überschaubaren Arbeitszeiten, insofern habe ich vollstes Verständnis dafür, dass wir einander nicht spontan treffen können. Eines Tages jedoch ergibt sich trotzdem die Möglichkeit zu einem persönlichen Kennenlernen, und so treffen wir uns in einem – von ihm vorgeschlagenen – guten Lokal in der Innenstadt.

Schon beim ersten Blick weiß ich, dass es keinen Funkenregen zwischen uns geben wird, aber das macht nichts, denn V. ist eine spannende Persönlichkeit. Von der Optik her Tom Hiddleston nicht unähnlich (Ist ja gut, Mädels, ich weiß eh, dass ich eine Zicke bin, wenn ich solch einen Mann nicht sofort annektiere!), hat er eine interessante Biografie und auch einen ansprechenden Akzent, und es dauert nicht lange, bis wir – was bei einem Date eigentlich ein Tabu sein sollte – in die politische Ecke abdriften, wo wir schnell feststellen, dass wir uns einig sind.

Wir unterhalten uns insgesamt über zwei Stunden lang sehr gut; beim Zahlen übernimmt er mit einer höflichen, aber bestimmten Geste, welche ich eher aus südlichen Regionen kenne, wortlos meine Rechnung und bedankt sich in weiterer Folge bei mir noch in Wort und Schrift für unsere Begegnung. Habe ich schon erwähnt, dass ich Stil sehr schätze?

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