S (7)

Es ist früher Abend und ich habe ohnehin vor, in die Stadt zu fahren, als mir S. ein spontanes Date anbietet. Dagegen spricht, dass er deutlich jünger ist als ich, dafür spricht, dass er nicht auf den Mund gefallen ist und sein Profil durchaus interessant auf mich wirkt – also riskier ichs.

Beim vereinbarten Treffpunkt angekommen, schicke ich eine kurze SMS. Unmittelbar darauf bekomme ich eine SMS zurück, S. sei noch auf Parkplatzsuche. Dieser SMS folgen noch mehrere andere, denen zufolge er sich jetzt auch noch irgendwie verfahren hat, weil er Graz bei Nacht nicht so gut kennt. Auf die Idee, dass er nicht aus der Gegend sein könnte, bin ich noch gar nicht gekommen, aber primär sehe ich das als sein Problem an, auch wenn ich mich allmählich in eine tendenziell giftige Mischung aus Amüsiertheit und Ungehaltensein verwandle. Der Versuch meinerseits, Lotsenhilfe zu leisten, scheitert daran, dass S. zwischenzeitlich nicht weiß, in welcher Straße bzw. in welchem Stadtteil er sich befindet. Mit sehr deutlicher Verspätung landet er schließlich in einer Tiefgarage in der Nähe. Und traut sich nicht heraus, weil ihm die Situation extrem peinlich ist.

Note to myself: 1. Abklären, warum Männern offensichtlich im Laufe der Evolution ihr Orientierungssinn abhanden gekommen ist. 2. Beim nächsten Date möglichst im Vorfeld schon herausfinden, wie dieser Mann in für ihn unsicheren Situationen reagiert.

Wir schreiben etliche SMS, und ich mache mir allmählich wirklich Sorgen um ihn, weil er extrem verstört wirkt. Von einem Date kann jetzt ohnehin keine Rede mehr sein, denn was da bei mir durchkommt, ist mehr Mutterinstinkt als alles andere, und mit ein bissl Psychologie krieg ich ihn dann doch noch dazu, das Parkhaus zu verlassen. Vor mir steht ein junger Mann, der tatsächlich am liebsten im Erdboden versinken würde, und ich schalte gänzlich in den Mamamodus, um ihn zu beruhigen, was mir dann auch halbwegs gelingt. Etwas gefestigter und um eine Erfahrung reicher tritt er seine Heimfahrt an, auch wenn es sich bei dieser Erfahrung um eine von jener Sorte handelt, mit der er vermutlich nicht gerechnet hat.

Ich hätt mir übrigens nicht gedacht, dass auch verkehrstechnische Probleme solcher Art eine Verabredung ruinieren können.

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G. (6)

Als mich der ungefähr gleichaltrige G. anschreibt, schaue ich mir zuerst sein Profil an. Dass er sich selber als attraktiv bezeichnet, lässt für mich genau zwei Rückschlüsse zu, nämlich dass er entweder die Gabe der Selbstironie besitzt oder an maßloser Selbstüberschätzung leidet. Sicher, für mich zählt in erster Linie die Ausstrahlung eines Menschen, der Ausdruck seiner Augen, aber auch diese Merkmale sind nicht sonderlich ausgeprägt. Was ich auf den Bildern sehe, ist ein alter, tendenziell verbitterter Mann. Eine Begegnung lehne ich trotzdem nicht ab, denn im Zweifelsfall zählt der persönliche Eindruck.

Beim Treffen allerdings sehe ich meine Befürchtungen bestätigt, weil auf mich ein Mann wartet, der – völlig konträr zu den Angaben in seinem Profil – sofort lamentiert, dass er stark frequentierte Lokale überhaupt nicht mag. Das Obershäubchen auf dieser Begegnung ist jedoch seine Anmerkung, er hätte sich sein Profil eigentlich nur aus einer Laune heraus angelegt und sei in Wirklichkeit gar nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Ah fein, das hört frau doch immer gern, dass sie wegen dieser Laune ihre Zeit mit einem alten Grantler verschwendet! Es ist an dieser Stelle fast überflüssig, zu erwähnen, dass ein weiteres Treffen für mich nicht in Frage kommt, obwohl G. andeutet, dass er einem solchen nicht abgeneigt wäre.

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F. (5)

Zwischenzeitlich schreiben mich mehrere Männer an, die allerdings aus diversen Gründen nicht in Frage kommen. Für mich müssen auch Intelligenz und sonstiges Niveau stimmen, und an diesem Punkt gehe ich keine Kompromisse ein.

F. meldet sich eher zögernd; er sagt selber, dass er sich nicht sicher ist, ob wir zusammenpassen, weil sich bei uns auch eine Kluft zwischen Stadt und Land auftut. Wir vereinbaren trotzdem ein persönliches Treffen. Ungefähr in meinem Alter, macht er auf mich einen eher biederen Eindruck, obwohl er nach Kräften versucht, sich anders zu geben. Als ich ehrlicherweise klarstelle, dass ein gemeinsamer Haushalt derzeit für mich generell nicht in Frage kommt, erkenne ich augenblicklich an seiner Körpersprache, dass das zwischen uns nichts wird. Er verspricht mir, sich noch zu melden, was er dann auch tut, allerdings mit der Nachricht, dass er mit meiner Vorstellung einer Beziehung nichts anfangen kann.

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L. (4)

Schon nach sehr kurzer Zeit schreibt mich auf der Datingplattform ein deutlich jungerer Mann an. Er klingt nett und wirkt auch höflich, und als er nach einer Weile erotische Fantasien mit mir teilt, lasse ich mich bis zu einem gewissen Grad darauf ein – auch, weil er meine Grenzen akzeptiert und verbal nie ins Vulgäre abdriftet. Er lässt anklingen, dass er sich gern in absehbarer Zeit mit mir treffen möchte, um seine Fantasien auch in die Realität umzusetzen. Er sieht gut aus, mag ältere Frauen und wirkt kultiviert, sodass ich tatsächlich eine Weile mit dem Gedanken spiele, mir einen jungen Liebhaber zuzulegen. Wir schreiben das Jahr 2016, also warum nicht?

Meine diesbezüglichen Überlegungen erfahren eine rasche Abkühlung, als plötzlich ein paar Tage lang ansatzlos Funkstille von seiner Seite herrscht. Ich laufe ihm sicher nicht nach, soviel steht fest. Als er sich wieder meldet, deute ich vorsichtig an, dass es schon eher zielführend ist, die Glut heiß zu halten, woraufhin er leicht pikiert reagiert. Dennoch lodert das Feuer nochmals auf, wenn auch weniger stark als zuvor; nach der nächsten Flaute schreibe ich Klartext und frage ihn, ob er wirklich Interesse an einem Treffen hat. Er reagiert eingeschnappt und sagt, er ließe sich nicht unter Druck setzen; ich schicke ihm noch eine kurze Klarstellung, die jedoch nicht mehr ist als eine Verabschiedung.

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Intermezzo

Auf Umwegen erfahre ich von einer Plattform, die eher auf Dating ausgerichtet ist. Neugierig geworden, erstelle ich mir einen Account und mache darin auch deutlich, dass ein erstes Treffen grundsätzlich auf neutralem Boden – nämlich in einem Lokal in der Stadt – stattfinden muss. Ich bin mir zu diesem Zeitpunkt noch relativ sicher, dass mir mein Instinkt spätestens beim persönlichen Kennenlernen sagt, wenn mit einem Mann etwas nicht stimmt. Mittlerweile habe ich da meine Zweifel…

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D. (3)

In meinem Posteingang finden sich ein paar Empfehlungen der Plattform, deren Mitglied ich bin. Eine davon zeigt mir einen Mann, der offensichtlich Humor hat, aufgeschlossen, witzig und unkonventionell wirkt; seiner Beschreibung nach ist er im medizinischen Bereich tätig. Mir gefällt auch, dass er kein Hehl daraus macht, dass Sexualität sehr wohl ein Thema für ihn ist. Ich kontaktiere ihn; nach drei oder vier Tagen kommt eine Antwort, in der er schreibt, er würde mich gern persönlich treffen, sei allerdings derzeit aufgrund seiner stationären Aufnahme für die nächsten Wochen in einem Krankenhaus. Kein Problem für mich.

Leider versteigt er sich schon nach wenigen Mails zu drastischer Verbalerotik. Ungebetenerweise. Als ich ihn höflich(!) darauf hinweise, dass ich bitte nicht ungefragt in seinen erotischen Fantasien vorkommen möchte, reagiert er extrem eingeschnappt und wirft mir Prüderie vor, das anscheinend übliche Totschlagargument. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihn sofort zu blocken.

Benutzt fühle ich mich noch Tage später.

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G. (2)

Allmählich werde ich mutiger und stöbere eines Freitagabends in diversen Profilen herum. Bei einem ziemlich ausführlichen – eher die Ausnahme bei Männern! – bleibe ich hängen; weil es sehr nett klingt, lasse ich diesem Mann ein Kompliment zukommen. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten und liest sich ebenfalls sehr angenehm. Kultiviert, freundlich, gebildet – gefällt mir. Wir geraten in einen raschen Mailwechsel, um Worte ist mein Gegenüber also auch nicht verlegen. Sehr ansprechend, in der Tat! Plötzlich kommt die Idee auf, einander am nächsten Tag, dem Samstag, hier in Graz zu treffen. Es bleibt nicht bei der Idee, und während die geistreichen Wortwechsel andauern, wird es spät, oder vielmehr früh. Als ich ihm irgendwann nach dem Austausch unserer Handynummern eine SMS schreibe, in der steht, dass ich nicht schlafen könne und er daran schuld sei, läutet im nächsten Moment mein Handy… Der Mann schreibt nicht nur gut, er hat auch eine angenehme, sonore Stimme. Wir telefonieren noch fast eine Stunde lang; als wir unser Gespräch beenden, dämmert schon der Morgen.

Am Samstag um die Mittagszeit erwarte ich ihn am Bahnhof. Dem Zug entsteigt ein Mann, den ich sofort auch im Real Life sympathisch finde: Akademiker von der entspannten Sorte, unprätentiös und alles andere als überheblich. Wir verbringen einen großartigen Tag in der Stadt; als wir uns am Abend irgendwann verabschieden, weil er wieder heimfährt, vereinbaren wir, einander am kommenden Wochenende wieder zu treffen.

Am darauffolgenden Dienstag knickt er ein und äußert Zweifel an der Sinnhaftigkeit unserer Bekanntschaft, auch aufgrund der räumlichen Distanz zwischen seinem (steirischen) Wohnort und Graz. Im Endeffekt erfängt er sich aber wieder und lädt mich fürs Wochenende zu sich ein.

Das Wochenende verläuft seltsam, denn der Mann, der mich am Bahnhof erwartet, ist nicht der selbe, mit dem ich den Tag in Graz verbracht habe. Dieser Mann hier steckt voller Selbstzweifel und Unsicherheit, und mir scheint auch, dass er sich viel zu viel über materielle Gegebenheiten definiert. Es stimmt schon, er hat ein sehr schönes Haus in einer ebenfalls sehr schönen ländlichen Region, aber: Mich interessiert das nicht sonderlich, weil ich nur zu gut weiß, wie vergänglich materielle Güter sind. Das wiederum irritiert ihn meiner Wahrnehmung nach mehr, als er zugibt. Als wir uns am Sonntag voneinander verabschieden, spüren wir beide, dass diese Beziehung schon aufgrund unserer sehr verschiedenen Lebensweisen und -anschauungen keine Zukunft haben wird.

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