V. (12)

Der Kontakt zwischen V. und mir besteht schon länger und findet in eher losen Abständen per Mail statt. Er lebt in einem anderen Bundesland und hat keine sonderlich überschaubaren Arbeitszeiten, insofern habe ich vollstes Verständnis dafür, dass wir einander nicht spontan treffen können. Eines Tages jedoch ergibt sich trotzdem die Möglichkeit zu einem persönlichen Kennenlernen, und so treffen wir uns in einem – von ihm vorgeschlagenen – guten Lokal in der Innenstadt.

Schon beim ersten Blick weiß ich, dass es keinen Funkenregen zwischen uns geben wird, aber das macht nichts, denn V. ist eine spannende Persönlichkeit. Von der Optik her Tom Hiddleston nicht unähnlich (Ist ja gut, Mädels, ich weiß eh, dass ich eine Zicke bin, wenn ich solch einen Mann nicht sofort annektiere!), hat er eine interessante Biografie und auch einen ansprechenden Akzent, und es dauert nicht lange, bis wir – was bei einem Date eigentlich ein Tabu sein sollte – in die politische Ecke abdriften, wo wir schnell feststellen, dass wir uns einig sind.

Wir unterhalten uns insgesamt über zwei Stunden lang sehr gut; beim Zahlen übernimmt er mit einer höflichen, aber bestimmten Geste, welche ich eher aus südlichen Regionen kenne, wortlos meine Rechnung und bedankt sich in weiterer Folge bei mir noch in Wort und Schrift für unsere Begegnung. Habe ich schon erwähnt, dass ich Stil sehr schätze?

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E. (11)

Jetzt möcht ichs wirklich genau wissen. Ich stöbere etliche Profile durch – und werde tatsächlich fündig. Was ich da lese, sind die Gedanken eines Mannes ungefähr meines Alters, die meinen nicht unähnlich sind. Mehr als nicht reagieren kann er nicht, denke ich, nehme meinen Mut zusammen und schreibe ihm. Keine Stunde später kommt eine Antwort. Er schreibt sympathisch, klug und witzig; der Einfachheit halber steigen wir bald auf WhatsApp um, wo sich binnen weniger Stunden einer der unterhaltsamsten Schlagabtausche entwickelt, die ich jemals hatte.

Plötzlich läutet mein Handy – am anderen Ende der Leitung ist er. Ui, auch seine Stimme klingt gut, und er schlägt vor, dass wir einander noch heute sehen. Warum eigentlich nicht? Kurz darauf steht er persönlich vor mir, und das, ohne dass sich mein Eindruck von ihm schmälert. Da schau her!

Wir verbringen einen sehr angeregten Abend miteinander, in dessen späteren Verlauf ich auch das Vergnügen habe, festzustellen, dass er verdammt gut küsst. Als das Lokal irgendwann Sperrstunde macht, bietet er mir an, mich nach Hause zu bringen. Ich habe keinerlei Befürchtungen, und mein Instinkt täuscht mich nicht, denn er verhält sich wie ein Gentleman, obwohl es ordentlich zwischen uns funkt. Beim Abschied vereinbaren wir, dass er sich am nächsten Tag bei mir meldet, was er mittags dann auch macht. Am Abend wollen wir einander wieder treffen und zuvor noch telefonisch den genauen Zeitpunkt bestimmen. Mein Herzklopfen ist mittlerweile nicht mehr zu überhören.

Am Abend trudelt eine Nachricht ein mit einem Inhalt, der so oder so nichts Gutes verheißt, weil nur zwei Rückschlüsse möglich sind: Entweder E. hat kalte Füße bekommen und benützt eine billige Ausrede oder die geschilderten Umstände sind tatsächlich eingetreten, was aber gleichzeitig bedeuten würde, dass er mit einer zwar unvorhersehbaren, jedoch eher alltäglichen Situation völlig überfordert ist. Mir zieht es für ein, zwei Stunden den Boden unter den Füßen weg. Ich warte noch ab, um ihm am späten Abend per SMS mitzuteilen, dass ich die Chose als beendet betrachte. Von E. kommt keine Rückmeldung mehr.

Mein Fazit dieser Erfahrung: Ich spüre zwar wieder sehr intensiv, dass ich lebe, aber das tut halt gerade in diesem Zusammenhang verdammt weh…

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G. (10)

Auch das Date mit diesem G. (in meiner Generation scheint es wirklich verhältnismäßig viele Männer zu geben, deren Vorname mit „G“ beginnt) kommt sehr spontan zustande. Ich hab eigentlich kaum Zeit, sein Profil zu lesen, aber grundsätzlich find ich sympathisch, was ich da sehe, und so treffen wir einander in der Stadt und spazieren dann ins Café Promenade. Wir unterhalten uns lange und auch ziemlich gut, aber auch hier springt kein Funke über, bei mir auch, weil mir G. wie jemand ohne Ecken und Kanten vorkommt. Keine Ecken und Kanten zu haben, ist per se weder gut noch schlecht, aber für mich ist es nichts, weil ich zwar in einer Beziehung viel Harmonie im Sinne von friedlicher Koexistenz mag, aber trotzdem auch immer wieder mal Widerstand brauche, und den finde ich bei G. nicht. Nirgends.

Wir kommen jedenfalls überein, einander nicht mehr zu treffen. Schön war der Nachmittag trotzdem, und – ganz Gentleman – kontaktiert er mich am nächsten Tag nochmals, um sich ein zweites Mal zu bedanken und mir alles Gute zu wünschen. Solche Gegebenheiten mit Würde und Stil hinzunehmen – genau so stell ich mir Dating vor.

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G. (9)

Die Verabredung mit G. kommt sehr spontan zustande. Sein Profil klingt interessant und vielschichtig, und ich denke mir, der Abend wird sehr wahrscheinlich auch ohne Erwartungshaltung unterhaltsam werden.

Er klingt am Telefon angenehm, ist pünktlich am vereinbarten Treffpunkt und gehört überdies zu jenen Männern, die in ihrem Profil keine falschen Angaben machen. Ehrlichkeit ist immer gut. Wir unterhalten uns angeregt, er ist sehr direkt, allerdings auch jemand, dessen Haltung, Mimik und Gestik ein bissl wirkt wie sorgfältig choreografiert. Eine gewisse Tendenz zum Selbstdarsteller stelle ich bei ihm ohnedies fest, fühle mich dadurch aber heute zur Abwechslung nicht genervt, sondern gut unterhalten. Seine Anekdoten aus seiner wilden Zeit in einer speziellen Community amüsieren mich, und er geht trotzdem auch auf mich ein, hört mir zu, verfügt über Empathie. Das ist die gute Seite; die nicht so schöne besteht leider darin, dass der erotische Funke zwischen uns nicht richtig zündet, sodass es bei der Unterhaltung bleibt. Trotzdem empfinde ich diesen Abend keine Minute lang als verlorene Zeit, sondern als ein reizvolles Spiel auf vielen Ebenen.

Ob sich G. wieder melden wird, weiß ich nicht; von meiner Seite wird aber sehr wahrscheinlich keine Initiative in dieser Richtung erfolgen.

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T. (8)

Eines Tages finde ich eine Mail in meinem Posteingang, die sich sehr von der durchschnittlichen Ansprache abhebt. Schön formuliert, geradezu zärtlich, trotzdem selbstsicher und überzeugend – und ungefähr in meiner Altersklasse. Aaaaahja… Der Briefwechsel, der sich daraufhin entspinnt, ist dezent, interessant und ansprechend, sein Profil zeigt mir einen Männerkörper (angezogen, wohlgemerkt!), wie ich ihn mag: Großgewachsen, nicht zu schlank, mit einer guten Körperspannung. Well, that escalated quickly! Meinerseits jedenfalls. Natürlich stimme ich dem Vorschlag, einander spontan zum Kennenlernen zu treffen, zu, und das ohne vorherigen Bildertausch, denn auch seine Selbstbeschreibung lässt auf ein Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert schließen.

Vor diesem Date habe ich zum ersten Mal seit langem richtig Lampenfieber, und meine Fantasie ist schon in eine recht einschlägige Richtung unterwegs. Beim vereinbarten Treffpunkt beobachte ich die Passanten und denke mir dabei ein paar Mal: Bitte, lieber Gott, lass es nicht den sein! Im Schützengraben gibt es keine Atheisten, das war mir bekannt. Dass es auch bei Blind Dates keine gibt, weiß ich seit diesem Abend auch.

Leider stellt sich einer der Männer, bei denen ich mir genau das gedacht hatte, als mein Date heraus. Per SMS, denn erkannt hätte ich ihn nicht, da weder Körpergröße noch Haarfarbe korrekt sind, und überdies ist er deutlich schlanker als auf dem Bild, das ich so anziehend gefunden hatte. Als ich ihn auf die falschen Angaben anspreche, meint er lapidar, er hätte „halt irgendwas hingeschrieben“. Dass er außerdem – im extremen Kontrast zu seinen Mails – sehr schüchtern wirkt, macht die Sache nicht besser.

Wenig später brechen wir das Date ab. Meine WG jedenfalls hat an diesem Abend noch ziemlich viel damit zu tun, mich wieder aufzurichten.

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S. (7)

Es ist früher Abend und ich habe ohnehin vor, in die Stadt zu fahren, als mir S. ein spontanes Date anbietet. Dagegen spricht, dass er deutlich jünger ist als ich, dafür spricht, dass er nicht auf den Mund gefallen ist und sein Profil durchaus interessant auf mich wirkt – also riskier ichs.

Beim vereinbarten Treffpunkt angekommen, schicke ich eine kurze SMS. Unmittelbar darauf bekomme ich eine SMS zurück, S. sei noch auf Parkplatzsuche. Dieser SMS folgen noch mehrere andere, denen zufolge er sich jetzt auch noch irgendwie verfahren hat, weil er Graz bei Nacht nicht so gut kennt. Auf die Idee, dass er nicht aus der Gegend sein könnte, bin ich noch gar nicht gekommen, aber primär sehe ich das als sein Problem an, auch wenn ich mich allmählich in eine tendenziell giftige Mischung aus Amüsiertheit und Ungehaltensein verwandle. Der Versuch meinerseits, Lotsenhilfe zu leisten, scheitert daran, dass S. zwischenzeitlich nicht weiß, in welcher Straße bzw. in welchem Stadtteil er sich befindet. Mit sehr deutlicher Verspätung landet er schließlich in einer Tiefgarage in der Nähe. Und traut sich nicht heraus, weil ihm die Situation extrem peinlich ist.

Note to myself: 1. Abklären, warum Männern offensichtlich im Laufe der Evolution ihr Orientierungssinn abhanden gekommen ist. 2. Beim nächsten Date möglichst im Vorfeld schon herausfinden, wie dieser Mann in für ihn unsicheren Situationen reagiert.

Wir schreiben etliche SMS, und ich mache mir allmählich wirklich Sorgen um ihn, weil er extrem verstört wirkt. Von einem Date kann jetzt ohnehin keine Rede mehr sein, denn was da bei mir durchkommt, ist mehr Mutterinstinkt als alles andere, und mit ein bissl Psychologie krieg ich ihn dann doch noch dazu, das Parkhaus zu verlassen. Vor mir steht ein junger Mann, der tatsächlich am liebsten im Erdboden versinken würde, und ich schalte gänzlich in den Mamamodus, um ihn zu beruhigen, was mir dann auch halbwegs gelingt. Etwas gefestigter und um eine Erfahrung reicher tritt er seine Heimfahrt an, auch wenn es sich bei dieser Erfahrung um eine von jener Sorte handelt, mit der er vermutlich nicht gerechnet hat.

Ich hätt mir übrigens nicht gedacht, dass auch verkehrstechnische Probleme solcher Art eine Verabredung ruinieren können.

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G. (6)

Als mich der ungefähr gleichaltrige G. anschreibt, schaue ich mir zuerst sein Profil an. Dass er sich selber als attraktiv bezeichnet, lässt für mich genau zwei Rückschlüsse zu, nämlich dass er entweder die Gabe der Selbstironie besitzt oder an maßloser Selbstüberschätzung leidet. Sicher, für mich zählt in erster Linie die Ausstrahlung eines Menschen, der Ausdruck seiner Augen, aber auch diese Merkmale sind nicht sonderlich ausgeprägt. Was ich auf den Bildern sehe, ist ein alter, tendenziell verbitterter Mann. Eine Begegnung lehne ich trotzdem nicht ab, denn im Zweifelsfall zählt der persönliche Eindruck.

Beim Treffen allerdings sehe ich meine Befürchtungen bestätigt, weil auf mich ein Mann wartet, der – völlig konträr zu den Angaben in seinem Profil – sofort lamentiert, dass er stark frequentierte Lokale überhaupt nicht mag. Das Obershäubchen auf dieser Begegnung ist jedoch seine Anmerkung, er hätte sich sein Profil eigentlich nur aus einer Laune heraus angelegt und sei in Wirklichkeit gar nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Ah fein, das hört frau doch immer gern, dass sie wegen dieser Laune ihre Zeit mit einem alten Grantler verschwendet! Es ist an dieser Stelle fast überflüssig, zu erwähnen, dass ein weiteres Treffen für mich nicht in Frage kommt, obwohl G. andeutet, dass er einem solchen nicht abgeneigt wäre.

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